Promotion

Im Herbst 2010 hat die Fakultät für Informatik eine Promotionsordnung beschlossen, die den Abschluss einer Promotionsvereinbarung vorschreibt. An dieser Stelle finden Sie daher das Promotionskonzept von Prof. Rahmann, das die Grundlage für eine solche Vereinbarung bildet.

Voraussetzungen

Die Promotion ist eine Anleitung dazu, selbstständig zu forschen. Damit ein solches Vorhaben in der Informatik in angemessener Zeit (Ziel sind 3-4 Jahre!) abgeschlossen werden kann, sind gewisse Fähigkeiten und Begabungen notwendig:

  • ein sicherer Umgang mit dem im Studium vermittelten Grundlagen, normalerweise nachgewiesen durch ein sehr gutes bis exzellentes Abschlusszeugnis,
  • eine Abschlussarbeit, die das Interesse an und eine Begabung für eigenständige Forschung deutlich erkennen lässt,
  • eine breite Palette an “handwerklichen” Fähigkeiten: Umgang mit verschiedenen Betriebssystemen, insbesondere einer Unix/Linux-Shell, Umgang mit Versionskontrollsystemen, Beherrschung mehrerer Programmiersprachen (mindestens eine von Java und C/C++, mindestens eine von PERL, Python, idealerweise noch R / MATLAB), Beherrschung von LaTeX zum Verfassen von Artikeln und Erstellen von Folien; der Umgang mit Office-Paketen ist ohnehin selbstverständlich,
  • hinreichende mathematische Kenntnisse und Fähigkeiten: korrekter Umgang mit formaler Notation, elementare Kenntnisse in Numerik, Statistik, Optimierung,
  • die Fähigkeit sich auf Deutsch und Englisch klar verständlich und korrekt auszudrücken,

Natürlich kann man nicht alles sofort und nicht alles gleich gut. Gerade jedoch Defizite im “handwerklichen” Bereich würden eine schnelle Promotion innerhalb der angestrebten Zeit sehr stark verzögern.
Die Fakultät hat ein rudimentäres strukturiertes Promotionsprogramm beschlossen, das zum Ziel hat, verbleibende Schwachstellen bei den Voraussetzungen schnell aufzuspüren und zu beheben.

Betreuung

Im Kern ist die Promotion eine selbstständige Leistung, die unter Anleitung erbracht wird. Das bedeutet: Sie selbst sind für die konkrete Ausgestaltung des Promotionsthemas verantwortlich, Sie selbst sind dafür verantwortlich, sicherzustellen, dass Sie die Fähigkeiten haben oder erwerben, das Thema auf einem anspruchsvollen Niveau zu bearbeiten und abzuschließen. Im Gegensatz  zu einer Diplom- oder Masterarbeit gibt es keine konkreten “Aufträge”, sondern ein Problem, das gelöst werden will.
Insbesondere zu Beginn der Promotion stehe ich selbstverständlich mit meinem Wissen und meiner Erfahrung zur Verfügung, um verschiedene Herangehensweisen zu diskutieren und Prioritäten zu setzen. Nach etwa einem Jahr sollten Sie zu Ihrem Thema aber mehr wissen als ich.
Bewährt haben sich wöchentliche Gruppentreffen, bei denen jede/r kurz (bis zu 5 Minuten) über die vergangene und kommende Woche spricht (was habe ich getan? Läuft alles wie geplant? Was nicht?) Fundamentale neue Erkenntnisse können länger vorgestellt werden. Längere Gespräche gibt es dann nach Bedarf, auch kurzfristig und spontan.
In längeren (alle 6 oder 12 Monate) Abständen gibt es längere Besprechungen, die sich auf die Ziele der Promotion beziehen. Daneben gilt das strukturierte Promotionsprogramm der Fakultät (Mentor, Fortschrittsberichte).

Ziele der Promotion

Die Promotionsordnung sagt hierzu bereits einiges. Insgesamt soll die Fähigkeit erworben (und “bewiesen”) werden, selbstständig zu forschen. Dazu muss insbesondere eine Doktorarbeit geschrieben und vor der Fakultät verteidigt werden.
Darüber hinaus bin ich der Ansicht, dass jede/r bei mir Promovierte danach die Folgenden Fähigkeiten erworben haben sollte:

  • Wie liest man viele Paper schnell daraufhin durch, ob sie relevant für die eigene Forschung sind? Gerade zu Beginn zur Einarbeitung ist eine effektive Literatursuche wichtig.
  • Wie liest man ein schwieriges Paper so, dass man in wenig Zeit möglichst viel (alles?) davon versteht? Parallel zur Entwicklung eigener Ideen zu einem Problem muss man natürlich verstehen, was andere schon alles gemacht haben.
  • Wie schreibt man einen referee report für eine Konferenz? für eine Zeitschrift? Pro Jahr sollten etwa doppelt bis drei mal so viele Paper begutachtet wie geschrieben werden, am Anfang mehr.
  • Wie schreibt man ein gutes Paper? Heute wird extrem viel publiziert. Die Länge der Publikationsliste sagt damit nicht mehr viel aus. Um die wissenschaftliche Qualität einer Person einzuschätzen, muss man tatsächlich ausgewählte Arbeiten lesen. Die “Lesbarkeit” eines Papers (bei gleichzeitiger hoher inhaltlicher Tiefe), die nur durch sorgfältige Formulierungen und geschickt gewählte Notationen erreicht werden kann, ist ein exzellenter Qualitätsindikator.
  • Wie hält man einen interessanten Vortrag? Es ist die Schlüsselqualifikation eines angehendes Wissenschaftlers, auch fachfremde Personen für seine Arbeit interessieren zu können.
  • Wie hält man einen technisch anspruchsvollen Vortrag? Dies sollte eine Selbstverständlichkeit sein, aber auch hier gibt es viele Dinge, die man richtig und falsch machen kann, insbesondere unter dem üblichen Zeitdruck von 20-30 Minuten auf einer Konferenz.
  • Wie bringt man beide Arten des Vortrags zusammen? Einen Vortrag sowohl für ein breites Publikum als auch für anwesende Spezialisten interessant zu gestalten ist durchaus schwierig und gelingt nicht immer.
  • Wie hält man eine Vorlesung oder Übung? Dies ist wiederum eine ganz andere Art über Wissenschaft zu reden. Eine Vorlesung benötigt eine andere Art von Folien und weiteres Material. Die Dichte an Information ist geringer (oder sollte es sein), eine pädagogische Herangehensweise ist wichtiger als ein Thema komplett mit allen Details zu erläutern.
  • Wie betreut man eine Abschlussarbeit? Während der Promotion wird man normalerweise mehrere Abschlussarbeiten (Bachelor, Master, Diplom) zumindest mitbetreuen. Erfahrung im Halten von Übungen ist hierzu nützlich. Die Herausforderung ist, die richtige Balance zwischen “in Ruhe schwimmen lassen” und “ertrinken lassen” zu finden.
  • Was ist die DFG und warum muss man DFG-Anträge schreiben? Leider geht der Trend dahin, dass sich Hochschulen immer stärker für die Menge der eingeworbenen Drittmittel als für den eigentlichen Inhalt der verfassten Paper interessieren. Also wird, wer eine Karriere in der Wissenschaft anstrebt, irgendwann vorwiegend davon leben müssen, Anträge zu schreiben. Mit dieser Perspektive sollte man sich so früh wie möglich (also während der Promotion) auseinandersetzen.

Ich gehe folglich davon aus, dass Sie während der Promotionsphase eine gewisse Anzahl an Artikeln schreiben und begutachten, Konferenzvorträge halten und Abschlussarbeiten mitbetreuen.